Buch des Monats: Drive

„Drive“vonDaniel Pink

Daniel Pinks Buch „Drive: Die überraschende Wahrheit darüber, was uns antreibt“ gehört zu jenen Werken, die uns fragen lassen, wann die gängigen Managementtechniken endlich der modernen Realität Rechnung tragen werden. Laut Pink (und jahrelanger wissenschaftlicher Forschung) sind es Autonomie, Meisterschaft und Sinnhaftigkeit – und nicht äußere Belohnungen –, die uns motivieren.

Nachdem mir ein ehemaliger Kollege das Buch empfohlen hatte, besorgte ich mir die Taschenbuchausgabe von 2011 und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Als jemand, der schon oft die Aufgabe hatte, Mitarbeiter, Schüler und meine eigenen Kinder zu motivieren, machte Pink mir klar, dass bestimmte Arten von Arbeit mit den alten Zuckerbrot-und-Peitsche-Methoden einfach nicht effektiv gesteuert werden können. Was jahrelang so selbstverständlich schien – dass Belohnungen wie Geld oder gute Noten und Strafen wie Geldbußen oder Bloßstellung das Verhalten in die gewünschte Richtung lenken würden – ist schlichtweg falsch.

Schauen Sie sich die Seiten 50–51 an, auf denen Eltern von Kindertagesstättenkindern tatsächlich häufiger zu spät kamen, wenn ihnen für verspätetes Erscheinen eine Strafgebühr auferlegt wurde, oder Seite 45, auf der Frauen in Göteborg, Schweden, weniger Blut „spendeten“, wenn sie dafür bezahlt wurden. Pink behauptet, dass solche Anreize bei einigen alltäglichen Aufgaben zwar noch von Nutzen sein mögen, bei kreativen Aufgaben jedoch eine einschränkende Wirkung haben können.

Während also Geld und Scham nicht so motivieren, wie wir dachten, tun dies offenbar Autonomie, Meisterschaft und Sinnhaftigkeit. Autonomie, selbst wenn es sich nur um die gefühlte Kontrolle handelt, ist laut Pink ein wichtiger Bestandteil des persönlichen Glücks. Meisterschaft ist eine Geisteshaltung. Es ist die Einstellung, die sich der schwierigen, manchmal unmöglichen Herausforderung stellt (wie zum Beispiel, ein perfekter Golfer zu werden) und dennoch Tag für Tag daran festhält. Ich habe das bei Schülern beobachtet, die mit schlichter Beharrlichkeit und Entschlossenheit einfach weitergemacht haben, bis sie ihre „begabten“ Mitschüler schließlich akademisch übertroffen haben.

Schließlich erscheint Sinnhaftigkeit als Motivationsfaktor zwar intuitiv, doch ich möchte darauf hinweisen, dass Pink die Komponente der „intrinsischen Bestrebungen“ dieses Faktors sehr gut herausarbeitet – nämlich das Gefühl, sich besser zu fühlen, wenn man anderen hilft, ihr Leben zu verbessern. Pink berichtet, dass „Menschen, die sich Ziele gesetzt hatten, die einen Sinn erfüllten, und das Gefühl hatten, diese zu erreichen, ein höheres Maß an Zufriedenheit und subjektivem Wohlbefinden angaben.“

Für alle, die mit Kindern arbeiten, Erwachsene führen oder einfach nur die alte Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode hinter sich lassen wollen, ist „Pink’s Drive“ ein absolutes Muss!